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Zur Geschichte der Netzwerk-Aktionen

Netzwerk-Aktion
Olympiade München, 1972

EIAG entwickelt im Kontrast zur Wettkampfrealität Partizipations-Spiele und involviert hunderte von Zuschauern und Besucher. Aus elf Kilometern elastischem Band entsteht zwischen Schwimmhalle, Theatron und Fußballstadion ein immer enger werdendes Netz.

Tim Eiag Tim Eiag

Netzwerk-Aktion
Salzmannbau Düsseldorf, 1997

In einer ehemaligen Fabrik, dem Salzmannbau in Düsseldorf, werden die Bewohner motiviert, ein Netzwerk zu errichten. Mit der Entstehung eines Beziehungsgeflechtes erweitern sie die Tradition der Netzspiele.

Tim Eiag Tim Eiag

Virtuelle Netzwerk-Aktion
HHU Düsseldorf, 1999 / 2000

Mit Unterst├╝tzung des Rechenzentrums der HHU Düsseldorf lässt EIAG künstliche Landschaften und Räume entstehen.

Tim Eiag

Informationen

EIAG ist viel herumgekommen. Will man ihn bei seinen Installationen, Events oder Aktionen  aufspüren, so muß man beweglich sein und braucht Glück. Ob in Österreich Holland, Deutschland, Frankreich, USA, Kanada, auf Ibiza, den Kanarischen Inseln, dem spanischen Festland, oder mal wieder in Deutschland, bezieht er sein Atelier immer an dem Ort, an dem er gerade arbeitet. Der rastlose und reisefreudige Pendler organisiert Massen, schafft riesige NetzWerke oder verbringt fünf Tage allein in einer HängeSkulptur, um sich aufzuladen. Ständig in Bewegung und nicht lange in einem Medium, bezieht er seine Kraft aus dem Spannungsfeld zwischen innerer Leere, Bewegung und Gravität. Aus dem Ursprung wachsen neue Impulse, neue Einsichten, neue Horizonte.

Seit den 60ern entwickelt Tim Eiag interaktive KommunikationsFormen und Systeme, definiert seine Position, agiert, provoziert, erzielt Reaktionen beim Publikum und konfrontiert mit ästhetischen Prozessen. Früh verläßt er die traditionellen Pfade von Bühnenbild und Bildhauerei und rückt in harter körperlicher Arbeit dem Stein zu Leibe. Das geht an die physische Substanz, produziert innere Leere und neue Kraft. Seine erste aktionistische Arbeit ist der Wackelstein. Die Skulptur steht als ErlebnisObjekt für die Erfahrung von Gravität und schwankt beim leichtesten Antippen. Mit Elfstein entsteht in Lindabrunn bei Wien ein Landschafts-Klang-Raum. Große Skulpturen sind so ausgelotet, daß sie einerseits in einer Geometrie zueinander, andererseits auf musischen Positionen stehen. Mit Hilfe von Musikinstrumenten werden die Elf Steine nach Echo + Klang ausgelotet und ins Gelände gestellt.

Für die Wiener Festwochen verspannt er den Schillerplatz und ziert das Burgtheater mit einer TrauerSchleife. Die Aktion mündet in eine Installation,  bestehend aus vielen Gasballons, die mit Sandsäcken am Boden gehalten werden. Der LuftRaum zwischen  Ankerpunkten und Ballons wird zu einer schwebenden  NetzSkulptur verknüpf. Sanft bewegt und  durch Scheinwerfer beleuchtet tanzen die schmalen Verbindungsbänder. 1972 kozipiert er NetzSpiele für die olympischen Sommerspielen in München. Mit elf Kilometern elastischem Material wächst im Kontrast zur WettKampfrealität zwischen Schwimmhalle und Fußballstadion kommunikatives Miteinander. Spiel statt Leistung, Erfahrung statt Medaillen. Das PartizipationsModell involviert hunderte Zuschauer und Besucher. Rund um den See wird die Landschaft komplett verspannt und immer enger vernetzt. Die sonst passiven Zuschauer werden aktiv und setzen aufgestaute Energie spielerisch ein.

Im TastRaum, einem abgedunkelten Environment, leitet der Besucher sich selbst an einer Führungslinie von TastSkulpturen zu haptischen Oberflächen und fühlt seine Grenzen. Die Räume werden zu ErfahrungsRäumen. Besucher konfrontieren sich selbst mit ihren Ängsten und Träumen. Aus den dunklen TagTräumen entstehen FarbRäume. TuchHüllen werden zum Farb+ErlebnisRaum. Monochrome Hüllen vermitteln die geheime Sprache und Kraft der Farbe. Die Wirkung wird am eigenen Körper getestet, erfühlt, geschmeckt und geatmet. Durch Hineinkriechen und gegenseitiges Bewegen werden vorgeburtliche Erlebnisse reaktiviert.

Die Hüllen werden als pneumatische Körper in Spanien zu neuem Spiel-zeug. Auf Ibiza entsteht für die legendäre Diskothek KU ein Environment mit aufblasbaren Bubbles, die auf dem Swimmingpool kreisen. Große Plastiken, in denen Menschen auf der Wasserfläche tanzen. In einer mit Luft gefüllten Sphäre überquert der aquaphile Performer die Bucht von Formantera, installiert Schwingbeutel aus Fallschirmseide, läßt schweben, baumeln, flattern, trudeln, hin und her schlenkern und denkt über die Kraft des Pendels nach.

Für die Ausstellung Hautnah in München entwirft er eine große HemdSkulptur mit Schlaufen und scharfer Krawatte, der Mammooth BowTie Sculpture. Mitwirkende werden in Farbe getaucht und agieren rythmisch in dem TuchObjekt. Für Das kalte Herz, einem Stück von Jens Prüss entstehen im Park vom Stadtmuseum Düsseldorf  Bühnenbild, Installationen und Titanen. Sie überzeichnen transnatural unmenschliche Dimensionen. Seine Riesen schaffen Verbindungen zu Sagen und Mythos, treten im neuen StadTTor Düsseldorf und im Zusammenhang mit Der Gelben Linie auf und hinterfragen Gigantismus in aktueller Kunst, Architektur und Politik.

Im Salzmannbau, einer ehemaligen Fabrik in Düsseldorf, entsteht das NetzWerk. Mit der Entwicklung eines Geflechtes werden die Bewohner involviert und Verbindungen zu den Olympischen NetzSpielen von 1972 geknüpft.

Seine Aktionen, Installationen und Räume schärfen den Blick fürs Ungewöhnliche und stimulieren Interaktion. Seine Computerarbeiten realisiert er in Zusammenarbeit mit ArtChip und CultD. In seinem Bilker Atelier züchtet er gelbe Früchte und spielt auf die Bananenverordnung der Europäischen Union an. Mit Bananenstau.de  kommuniziert er den sensiblen Umgang mit Recourcen und unterstützt die Forderung nach akzeptablen sozialen Bedingungen bei der Bananenproduktion. → bananenstau.de

Zum Thema Virtual Reality und Cyberspace beteiligt er sich an einer faustische Persiflage. Ein elektronischer Hörsaal der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf generiert zum Audio-visuellen Kraftraum. Die spartanische Performance wird beherrscht von der Kommunikation zwischen einem Androiden, Video-Projektionen, Filmbildern auf gigantischen Screens- und Soundmaschinen, die quadrophonische Klänge erzeugen. Während sich der Android in ein paranoides Delirium hineinsteigert, macht er dem Publikum auf seine weise klar, daß die Vorstellung, die es sich über die Geschichte hin vom biologischen Auslaufmodell Homo sapiens gemacht hat, immer abhängig von dem Entwicklungsstand der Technik war. Keine Art bleibt ewig. Die Inszenierung der Endvisionen wird als MetaVision ins Netz gestellt und soll interaktiv erweitert werden.

TIM EIAG