Eckhard Hammel
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1. Von der Politik zum Staatsmanagement Zwar leitet das Wort Politik sich aus dem griechischen Wort polis, Gemeinschaft, ab; ihrem Begriff nach ist die Politik jedoch eine Erfindung des Buergertums und der Moderne. Die monarchische Ordnung betrieb keine Politik; sie verwaltete die Staatsgeschaefte. Erst mit Institutionalisierung eines demokratischen Sozialwesens entstand Politik im engeren Sinn. Autoren wie Mandeville, Rousseau, Hobbes, Kant und andere schufen ihre theoretische Begruendung; die Franzoesische Revolution im Jahr 1789 ihre operative Grundlage.Mit dem Übergang der Moderne in die Postmoderne ist, wie Baudrillard festgestellt hat, das Politische ins "Stadium des Transpolitischen" uebergegangen. Die Zeit der Politik ist abgelaufen, ohne dass die sozialen Hoffnungen, die sich mit ihr verbanden, erfuellt worden waeren. Vielmehr verhaelt es sich nach Baudrillard so, als seien die Ziele, die die Epoche der Politik sich gesetzt hatte, ohne erreicht worden zu sein, uebersprungen worden. Die Epoche der dialogisch und dialektisch verfassten Societas hat sich in einen von sozialen Fragen zunehmend bereinigten Raum des kommunikativen Commerciums verfluechtigt. In gewisser Weise naehert sich die Postmoderne dadurch wieder einer Zeit der Renaissance. So wie man vor der Neuzeit noch keine Politik betrieb, sondern nur die Staatsgeschaefte verwaltete, so betreibt man heute, nach der Epoche der Politik - postmodern - ein blosses Staatsmanagement. Unter Berufung auf Jean-Francois Lyotards Studie ueber Bedingungen der postmodernen Welt hat Wolfgang Welsch eine praezise von einer diffusen Umgangsform mit Phaenomenen der Postmoderne, die grundsaetzlich pluralistisch verfasst sei, unterschieden. Welsch plaediert unter Berufung auf Lyotard fuer die erstere und beschreibt sie als methodologisches Konzept, das auf den Begriffen "Unterscheidung, Praezision und Rationalitaet" gruende. Die zweite Umgangsform haelt Welsch fuer indiskutabel. Sie fusse auf Willkuer, "Beliebigkeit" und masse sich eine Lizenz zu verwirren an : "Man kreuze einfach Libido und Ökonomie, Digitalitaet und Kynismus und gebe noch etwas New Age und Apokalypse hinzu - schon ist der postmoderne Hit fertg. Aber diese Mischung von allem, dieses intellektuelle Disneyland ist offensichtlich die falsche Form von Pluralitaet." Welsch versucht mit Hilfe seiner Differenzierung, die es gestattet, seine Ausfuehrungen auf dem Hintergrund der Tradition der Aufklaerung zu betrachten, einer Unachtsamkeit vorzubeugen, die ihrerseits bedingt werde durch technologische Entwicklungsprozesse. Obgleich es naemlich auf den ersten Blick so scheinen moechte, als sei das Diffuse als Mischungsverhaeltnis gekennzeichnet durch Polymorphie, Partikularitaet und Pluralismus, so ist dies doch Welsch zu Folge nicht der Fall. Ganz im Gegenteil bewirke es deren Tilgung. Hinter der Diffusion stehe die allgemeine Uniformierungstendenz des technologischen Zeitalters: "Was nicht programmierbar ist, darueber muss man schweigen. - So waechst durch die neuen Technologien - die im Zeichen der postindustriellen Gesellschaft vorwiegend im Sinn der Performativitaet des Systems und zu Steuerungszwecken eingesetzt werden - die Uniformierung." Welschs Differenzierung stellt m.E. mehr bereit als bloss die Unterscheidbarkeit von zwei gegenlaeufigen Umgangsformen mit postmodernen Phaenomenen: zwischen dem diffusen "Mischmasch" und der praezisierenden "Praxis wirklicher Heterogenitaet" . Zunaechst handelt es sich tatsaechlich um Umgangsformen, insofern sie Formen des "Gebrauchs" darstellen, also Reaktionen des Subjekts auf die postmodernen Zustandsformen der Kommunikations- und Kommerzgesellschaft. Als eine solche Zustandsform aber ist die Diffusion mehr als die Selbstanmassung des Subjekts, eine Lizenz auf Verwirrung zu besitzen. Insofern naemlich der Stand der technologischen Entwicklung von sich her diese Diffusion nicht nur beguenstigt, sondern direkt herbeifuehrt, handelt es sich um einen objektiven Diffusionsprozess, der nicht bloss eine subjektive Umgangsform darstellt. Wir muessen deshalb folgend die von Welsch herausgearbeiteten Umgangsformen als gleichwertige Strategien der Explikation betrachten. Dabei haben wir nicht vor, die diffuse gegen die von Welsch bevorzugte praezise Umgangsform, deren methodologische Funktion wir selbstverstaendlich anerkennen, auszuspielen, aber doch darum, sie als eigenstaendige Strategie zu rehabilitieren. Wir erlaeutern unser Vorhaben mit Hilfe eines Beispieles: In der Innenstadt ohne Mauer breite sich "ein diffuser, ungefasster und verstoerender Stadtraum" der Leere aus, so hatte Klaus Hartung das Zentrum des geeinten Berlins beschrieben. Dieser diffuse und konfuse Zustand, in dem sich die designierte Bundeshauptstadt befand, verdankte sich keinesfalls einem wie zufaellig wirkenden Ereignis; er ist direkter Effekt innerhalb des Sytems der Politik, das den Zustand der Metastabilitaet ueberschritten hatte. Die Versetzung der Bundesregierung und die Bebauung des Potsdamer und des Leipziger Platzes durch Mercedes Benz, Sony und andere werden deshalb die Leere nur verhuellen, aber nicht fuellen koennen. Nachtraeglich betrachtet bestand der Sinn des Mauerfalls darin, uns einen kurzen Blick auf den Kosmos der Politik zu gestatten, die gemeinsam mit ihrem ehernsten Symbol, der Mauer, ausgeloescht wurde. Wir befanden uns in der Situation derjenigen, denen man einen Moment lang gestattete, durch das Fernrohr eines sonst verschlossenen Observatoriums zu schauen. Was wir erblickt haben, entsprach allerdings nicht einem zigmillionen Lichtjahre entfernten Objekt; es war allein die Unvorstellbarkeit der leeren Distanz im Raum, die uns fasziniert hat. 1989/90 zog uns die Unvorstellbarkeit der sozialen und politische Leere in ihren Bann; eine Leere, die wieder verhuellt werden wird von kommerziellen Unternehmen des Militaers, der Medien und des Verkehrs. Wie nahtlos fuegt sich der Tatbestand ein, dass der einstige Palast einer Republik, die keine war, fuer die Öffentlichkeit gesperrt und zur Bauruine deklariert worden ist. Wie sind also die Dinge zu betrachten, wie ist mit ihnen umzugehen, wenn sich komplementaer zu der generellen Situation der politischen Welt das Bewusstsein der Fraternitée (unter Bereicherung durch die Schwesternzunft) auf die Gewissheit reduziert hat, global verkabelt zu sein; die Egalitée auf die Gleichheit der Empfaenger geschrumpft ist; und die Libertée sich auf die Programmwahl herabgeschwungen hat? Das Subjekt der Erkenntnis und des Interesses hat sich, sinnlos wie es nun einmal ist, in der Kabelkommunikation selbst begraben. Kriterium jeder politischen Erscheinung vom finstersten Demagogen ueber den politischen Befreier bis zum Vertreter der Political Correctness ist weniger der Gegensatz von wahr und falsch als vielmehr die Ernsthaftigkeit, die Serioesitaet. Diese Ernsthaftigkeit ist ein imaginaeres Design der Politik, das an die Funktion des Subjekts gebunden ist. Dieses Design laesst das Subjekt so erscheinen, als sei es mit Ernst bei der Sache. So gilt einzig derjenige, der nicht mit dem notwendigen Ernst bei der Sache und von daher unserioes wirkt als unpolitisch, nicht derjenige, der die Unwahrheit sagt oder in irgendwelche Machenschaften verstrickt ist. Dass die Ernsthaftigkeit nur eine Kategorie des Imaginaeren darstellt, bedeutet nicht nur, dass sie die wahren Absichten eines Politikers verschleiern kann. In der Tat kann sie das auf der Ebene psychologischer Phaenomene, aber in der Explikation dabei stehen zu bleiben, wuerde bedeuten, einmal mehr dem Phantasma der politischen Wahrheit auf den Leim zu gehen. Implizit versteckt sich hinter jeder politischen Fassade eine absurde Fusion des Wahren und des Falschen: Die politische Handlung vermag ihr selbst gegenlaeufige Effekte einzuschliessen oder gar zu provozieren. An den realpolitischen Phaenomenen laesst sich das exemplarisch aufweisen. Ein Beispieltelegramm: War nicht die RAF die erfolgreichste BKA-Organisation, die die computergestuetzte staatliche Kontrolle provozierte? Waren es nicht Staatsfunktionaere, die den Bombenanschlag auf Stammheim veruebten und neuerdings rechte Schlaeger ausbilden? Loesen jugendliche Rechtsradikale nicht durch besonders krude Aktionen Empoerung bei der breiten Masse aus, so dass sie eher den liberalen als den rechten Parteien dienlich sind? Sind die rechtsradikalen Jugendlichen nicht gerade in der Aufbruchphase der Kommunikation und der antiautoritaeren Erziehung gross geworden? Eine Liste, der zahlreiche weitere Beispiele angefuegt werden koennen. Die wahre Rede ueber politische und metapolitische Phaenomene hingegen gehoert nicht der Politik selbst an. Zumindest scheint es immer so gewesen zu sein, als kaeme die wahre Rede darueber, was politisch Sache ist, von ausserhalb der Politik. Was fuer die Rede ueber die Staatsgeschaefte galt, galt auch fuer die Politik: Es war immer die Rede ueber die Politik, niemals diese selber. Die Wahrheit zu sagen, kam dem Medium des Unernsten zu: der Narrheit, den Kabaretts, Satiren, Parodien, Karrikaturen, dem Karneval; den Spassvoegeln also, niemals aber denen, die mit der korrupten Scheinheiligkeit des Ernstes bei der Eroerterung eines Problemchens ihre Stirn kraeuseln. Das Unernste impliziert seinerseits eine Anzahl unterschiedlicher Ebenen: Waehrend beispielsweise das Alberne dem Ernst tatsaechlich immer aeusserlich bleibt, vermoegen parodische Strategiefiguren wie Ironie und Humor den Ernst ins Herz zu treffen. Thomas von Aquins Analyse des Moenchswesens uebertragen, duerfte man aus dem Ernst der Politik ihre Melancholie folgern. Staatsmanager aber sind weder melancholisch, noch tragen sie Trauer (wie die uebriggebliebenen Intellektuellen). Sie tun das, wofuer Helmut Kohl wie paradigmatisch einsteht; sie grienen, und zwar gerade weil der Ernst der Sache das "Lachen" nicht gestattet. Die grienende Grimasse irgendeines Staatsdieners hat indessen nichts mit der psychologischen Frage zu tun, ob dieser etwa besonderen Witz habe, ein besonders optimistischer oder schmieriger Typ, oder von korrupten Gesinnung sei. Jeder grient heute, obwohl es keinen Grund zum Grienen gibt. Und wenn eine Figur wie der grienende Lafontaine zumindest den Anschein erweckt, als sei er einer der letzten intellektuellen Politiker - Saarland, Stahlindustrie, Arbeiterbewegung usw. - so ist er doch gerade deshalb viel schwieriger zu durchschauen als eine Figur wie Kohl. StaatsmanagerInnen haben nichts mehr mit dem Modell der Repraesentation zu tun, das einstmals als reales Verhaeltnis von Gesellschaft und Politik existierte. Dieses Repraesentationsmodell konnte deshalb das Zentrum politischer Aktionen ausmachen und die Handlungsweise eines jeden Politikers bestimmen - von Lincoln ueber Ghandi, Hitler und Stalin bis zu letzten Auslaeufern wie Adenauer und Brandt -, weil es da eines Volkes Wille gab, oder eine Mehrheit in der Bevoelkerung oder eine vergleichbare, imaginaere Koinonie, an der sich jede politische Aktion zu orientieren und die sie zu repraesentieren vorgeben konnte. Das heutige, kommerzielle Staatsmanagement ist vielleicht nicht weniger harmlos, aber es hat nichts mehr mit dem Modell der politischen Repraesentation zu tun. Es hat sich von seiner sozialen Substanz abgeloest wie die x-te Generation an Kopien vom verschollenen Original, einzig deshalb ist es generell korrupt - schmieriges Geschaeft, schlechter Witz, Schmierenkomoedie. Von daher wirkt das Staatsmanagement wie ein um einen leeren Attraktor kreisender Sardonismus. Das beruechtigte Ausstrahlen von Optimismus entspricht deshalb einem kalten Strahlungsreichtum gleich bleibender Wiederholung und sich wiederholender Gleichheit. Robocop zeichnet in Kino und Fernsehen ein Post-Orwell-Modell dieser Entwicklung: Die Politiker sind in Robocop ausgestorben, und das Staatsmanagement wird von den Wirtschaftsmanagern des OCP-Konzerns betrieben. Unterschied: Jede/r von uns ist ein Robocop, der, gefesselt auf seinem Mother Chair, die Welt durch televisionaere Fernrohre auf Distanz bringt. 2. Ironie und Humor Eine rhetorische Figur, die seit den antiken Tribunalen und Apologien zum festen Inventar der politischen Rede gehoerte, ist die IRONIE. Sie bezeichnet in ihrer einfachsten Definition den Vorgang, einen Standpunkt A durch die Übersteigerung des gegenteiligen Standpunktes B zu vertreten. Sie ueberdreht den gegnerischen Standpunkt B und vermag dahinter implizit den eigenen Standpunkt A zu stuetzen. Das heisst aber, dass sie auf dem Hintergrund politischer Strategien nicht jenseits der Bedeutung und des Sinnes zu operieren vermag. Sie ist deshalb vor allem durch Deleuze/Parnet in Misskredit geraten. Sie bleibe den politischen "Prinzipien" verhaftet. Insofern liege ihr, wenn auch indirekt, immer "Bedeutsames" zugrunde. Sie bleibe der "Repraesentation" verpflichtet und fest mit ihr verbunden. Daran, dass die Ironie keinesfalls auf blosse Komik abzielt, ist nach Deleuze/Parnet ablesbar, dass sie letztlich an der Funktion des Gehaltes und damit am exklusiven Unterschied zwischen wahr und falsch festhaelt.Anders als die Ironie verfaehrt der Humor. Mehr als 150 Jahre vor Deleuze/Parnet hat Hegel den Humor als Bewegung charakterisiert, "alles, was sich objektiv machen und eine feste Gestalt der Wirklichkeit gewinnen will oder in der Aussenwelt zu haben scheint, durch die Macht (...) frappanter Auffassungsweisen in sich zerfallen zu lassen und aufzuloesen" . Anders als die Ironie beruht der Humor auf einer DIFFUSION der Elemente. So beschreibt Hegel den Humor als Parade der Subjektivitaet, die "Aufloesung ihrer Zwecke und Realisationen" aufzufangen. Hegels Bestimmung der Diffusion impliziert, dass der Prozess der zersetzenden Diffusion nicht auf einen blossen Einfall des Subjekts reduzierbar ist. Es handelt sich um einen objektiven Prozess, der das Subjekt immer schon einbezogen hat und dieses nur reagieren laesst. Sei es das System der Ernsthaftigkeit im allgemeinen, sei es das der Politik im besonderen; obgleich es offiziell so scheint, braucht der Humor Zweck und Wirklichkeit nicht von aussen her anzugehen, etwa wie die kritische Negation. Dies verdeutlicht Hegels Begriff der Diffusion "in sich", was nicht weniger impliziert, als dass die humoreske Attacke ihre Pointen aus dem System (dem auch Subjektivitaet angehoert) selbst bezieht. Das System selbst impliziert den Prozess der Diffusion. Der Humor beschreibt demnach nicht boss eine Bewegung, die etwas von ihr selbst Verschiedenes laecherlich macht; das System selbst, innerhalb dessen sich der Humor artikuliert, enthaelt die Voraussetzung der Laecherlichkeit in sich. Diese objektive Implikation wird auf der Ebene der Subjektivitaet explizit. In diesem Sinn quittiert Hegel die Funktion der Ernsthaftigkeit mit der Bemerkung, dass der "steife Verstand" der humoresken Diffusion der Realitaet "gerade da, wo er in seinem Benehmen am laecherlichsten fuer andere wird, am wenigsten faehig" sei. Deshalb erscheinen die Dinge nicht als ihre Parodie, wie Thomas Mann seine Romanfigur Leverkuehn, sagen laesst, sie sind ihre eigene Parodie. Was Leverkuehn freilich aus seiner Einicht heraus konsequent fuer die Kunst folgert, dass naemlich derer Mittel "nur noch zur Parodie taugten", dies gilt auch fuer die Darstellung politischer Zusammenhaenge. Deleuze/Parnet praezisieren ihren Begriff von der Arbeitsweise des Humors. Im Gegensatz zu der dem Gehalt verpflichteten Ironie sei der Humor "atonal, absolut unsichtbar, er laesst etwas davonflitzen. Er ist immer mittendrin, auf dem Wege. Nie steigt er oder schraubt sich in die Hoehe, er bleibt auf der Oberflaeche - dort bildet er seine Effekte. Der Humor ist eine Kunst der reinen Ereignisse. Die Kuenste des Zen, Bogenschiessen, Gartenanlegen sind Übungen, um das Ereignis auf reiner Oberflaeche zur Erscheinung zu bringen, jaehlings aufleuchten zu lassen. Der juedische Humor gegen die griechische Ironie" etc. So gehen Deleuze/Parnet davon aus, dass die Bewegung des Humors deutlicher noch als die Ironie jedes politische Modell zu sprengen vermag. Gewiss haben Deleuze/Parnet mit ihrer Kritik der Ironie wesentliche Implikationen ihrer rhetorischen Funktion aufgedeckt, aber gleichwohl gilt es, einen Aspekt ironischen Handelns im Blick zu behalten, der von Deleuze/Parnet nicht eigens zum Thema gemacht wird. Insofern die Ironie einen gegebenen Standpunkt durch die Überdrehung der Gegenargumente stark macht, arbeitet sie auf der Ebene der KONFUSION, also der Verschmelzung differenzieller Positionen. Diese fuer die Arbeitsweise der Ironie konstitutive Konfusion ist dafuer verantwortlich, dass die Ironie in der politischen Rede zwar eine Rolle spielen konnte, aber doch nur eine marginale. Ein Redner, der sich nur ironischer Wendungen bedient haette, haette seine Serioesitaet einbuesst. Diese Konfusion ist auch dafuer verantwortlich, dass dem Spektrum von wissenschaftlichem Diskurs bis zur Alltagswelt die ironischen Sprachhandlungen immer suspekt geblieben sind. Ein Wissenschaftler, der sich ironisch ausdruecken wuerde, wuerde keine Wissenschaft mehr betreiben, und jemand der alltagssprachlich ironisch handeln wuerde, wuerde sich schnell unbeliebt machen. Einerseits logisch korrekt und andererseits wohl verstaendlich, gefaehrdet die konfundierende Ironie deshalb den "Ernst der Sache", weil sie in ihrer Naehe zum Zynismus keinesfalls darauf angewiesen ist, hinter der Überdrehung des opponenten Standpunktes einen eigenen zu staerken. Als Waffe der Entkraeftung funktioniert die Ironie auch ohne einen eigenen Standpunkt. Aber auch diese Strategie darf nicht auf die Psychologie des Subjekts reduziert werden, vielmehr muss man an das Prinzip der Norwegischen Umkehrung denken: Zu Beginn der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Norwegen hatten sich zahlreiche norwegische Nichtjuden einen Judenstern angeheftet. Insbesondere die abstossende Ernsthaftigkeit der Versuche Fichtes, seinen Zeitgenossen die Bedeutung korrekter politischer Gesinnung einzureden, liessen manche ebendieser Zeitgenossen bemerken, dass eine simple Überdrehung dieses Systems das gesamte politische Vernunftsystem der Laecherlichkeit preisgibt. Insbesondere die Literaten der sogenannten Fruehromantik haben in der Auseinandersetzung mit Fichtes Subjektivismus dergestalt die Figur der Ironie entwickelt. Nicht ohne Wissen um die Hegelsche Bestimmung des Humors hat der Schelling-Schueler Schubert im Jahre 1814 die "romantische Ironie" rueckblickend wie ein Programm der strategischen Diffusion beschrieben: Ironisches Handeln, dies sei nichts anderes als die Indifferenz von "Erzeugung und (...) Aufloesung der Koerper" . Als der neuere Theoretiker der Ironie duerfte Jean Baudrillard gelten, der allerdings die Begriffe Ironie und Humor nicht so konsequent trennt wie Deleuze. "Nach Jahrhunderten triumphierender Subjektivitaet", so schreibt Baudrillard in seinen Aphorismen zu den ironischen Strategien, "ist es heute ueberall die Ironie des Objekts, die uns umgibt, die objektive Ironie, die selbst inmitten der Information und der Wissenschaft, selbst inmitten des Systems und seiner Gesetze, inmitten des Begehrens und jeglicher Psychologie zu finden ist." Fuer Baudrillard ist dies ein semiologisches Problem. Schliesslich sind es die Zeichen, die das Verschwinden der Realitaet des Objektes und des Subjektes bewirken. Dergestalt bilde die "Ironie" einen "Simulationsraum" , d.h. auf der Ebene der Zeichen lassen sich Subjektivitaet und Objektivitaet nicht nur nicht differenzieren, nach Baudrillard haben die Zeichen begonnen wie Subjekte der Simulation zu agieren und die Subjektivitaet wie ein Objekt zu verfuehren. Auf diesem Hintergrund interpretiert Baudrillard auch die politische Macht, die immer das Verschwinden der Machthaber mit einbezieht. Es gebe fuer diese nur eine Alternative: das Versinken "in Blut oder in Laecherlichkeit". Daraus folgert Baudrillard, dass die Ironie als parodische "Umkehrung der Zeichen oder ihre Übersteigerung" das attackierte System praeziser zu treffen vermag "als irgendein Machtverhaeltnis" , das der besagten Alternative nicht entkommt. 3. Recodierung versus Decodierung Als Strategeme der Konfusion und der Diffusion koennen Ironie und Humor nicht gegeneinander ausgespielt werden. Sie ergaenzen sich vielmehr und stellen komplementaere Techniken der Verschmelzung und der Aufloesung eines strategischen Komplexes dar. So wie die Ironie, die wie die Metapher verdichtet, auf der Ebene der "inklusiven Disjunktionen" arbeitet, als Konfusion also von Proposition und Opposition, so funktioniert der Humor wie die Verschiebungen der Metonymie auf der Ebene der "globalen Konnexionen" , bei der es keine semantische Identitaet gibt, sondern nur eine relativ beliebige Verknuepfung von Elementen.Humor und Ironie bringen diejenigen Zeichencodierungen durcheinander, die die Ernsthaftigkeit aufrecht erhalten muss, um als solche bestehen zu koennen. Dergestalt arbeiten Humor und Ironie als Decodierungstechniken. Jedoch entspricht keine von beiden einer reinen Decodierung, wie sie bei bestimmten Phaenomenen innerhalb der Pathologie oder auch der konkreten Kunst vorkommen mag. Ironische und humoreske Strategien sind zuvoerderst Reaktionen, d.h. sie sind weder aktiv noch passiv. Gerade diese Mittlerstellung macht ihre Gefaehrlichkeit fuer den politischen Ernst aus. Ihre reaktive Arbeitsweise, die selbst Nietzsche nicht konsequent durchdacht hat, macht nicht irgendjemanden, sondern eben einen Genossen "Staatsratsvorsitzender" mit dem Kumpel "Honni" konfundieren und verkettet ihn humoresk mit einer Toilette, auf der er mit einer Lederjacke bekleidet West-Radio hoert. Zwar kann unter gegebenen Umstaenden auch schon die Verfremdung des Songs wie American Patrol effektvoller sein, als ein politisches Pamphlet, aber es ist nicht zu entscheiden, ob es sich bei dieser Aktion (inklusive des Jacke-Gitarre-Praesents) um einen Werbegag, eine bloede Anbiederei oder wenigstens noch um einen Sketch im Pardon- oder Titanic-Stil gehandelt hat. Allemal fehlt der Sache - wie wir sehen werden - eine entscheidende Dimension. Als Strategiefiguren der Konfusion und Diffusion arbeiten Ironie und Humor nicht einfach wie die von Karl Riha untersuchte "satirische Technik" des "Cross-reading und Cross-talking" . Diese Technik beschreibt Riha mit den Worten: "die gewaehlte Position erlaubt es dem Verfasser, nach vielen Seiten zugleich zu blicken." Dieser Vorgang stellt gewiss eine operative Grundlage der beschriebenen Strategien dar, aber indem sie in ihrer einfachen Form dem Objekt auf den Leib rueckt, laesst sie das Subjekt intakt. Zu jeder Zeit gab es institutionalisierter Baendigungen der Decodierungspotenz: Recodierungen. Nicht nur die Ironie konnte sich in Gestalt der politischen Satire institutionalisieren, auch der Humor vermochte das in Gestalt der Institution Karneval. Mit diesen Institutionalisierungen wurden sowohl die Konfusions- als auch die Diffusionsqualitaet gezaehmt und angepflockt an den Kontext der Ernsthaftigkeit. Durch die Institutionalisierung, die es zahlreichen Politikern moeglich macht, den veralbernden Karnevalssitzungen beizuwohnen, werden Ironie und Humor paradoxerweise gerade dadurch ins kommerzielle Gesamtsystem integriert, indem sie von der ernsthaften Sachlichkeit abgesondert werden. So bleibt beispielsweise der weisse Humor der Buettenrede, humoreske Abart sowohl der Predigt als auch der politischen Rede, der Ernsthaftigkeit paradoxerweise in mehrfacher Hinsicht aeusserlich. Insofern er zwar politische Themen abhandeln kann, aber nicht dem Kriterium Ernsthaftigkeit genuegt und irgendwie auch de facto nicht ernstgenommen werden will, ist es fuer ihn unmoeglich, in das Umfeld politischer Operationen zu gelangen. Das Karnevaleske wirkt von daher wie eine strategische Isolation des Humors. Gerade dadurch, dass die Politik sich ernsthaft gibt, wird der Karneval, auch wenn er sich noch so politisch gibt, unpolitisch. Dieser mischt sich tatsaechlich nicht ernsthaft ein, weil er wie apriori unpolitisch ist. Deshalb liegt es nahe, ihn einer stabilisierenden Funktion zu verdaechtigen: Zwar vermag der karnevaleske Humor schier endlos ueber die Politik zu salbadern, bleibt aber nur Amusement und Albernheit. Er deklassiert sich dadurch selbst. Man kann ihn eben nicht ernst nehmen. Wer ihn dennoch ernst nimmt und politisiert macht ihn dadurch nicht politisch; er beweist nur seine subjektive Humorlosigkeit. Die Veraeusserlichung des Laecherlichen sorgte schon im Fall des Narren dafuer, dass er die Wahrheit aussprechen durfte, aber nur von einem Punkt aus, der der Ernsthaftigkeit und damit auch dem Sachverstand, der Sachlichkeit und der Vernunft gegenueber aeusserlich blieb. Dieses Verfahren isoliert das Laecherliche und verhuellt gleichzeitig diese Isolation. Im Endeffekt fuehrt das zu der beschriebenen Ambivalenz, die es dem Karneval gestattet, zum ersten ueber Politik zu reden, ohne darum politisch zu sein, und zum zweiten bei Zuhoerern und Zuschauern ein paradoxes Gefuehl des kritischen Bewusstseins zu erzeugen, das keines ist. Die Isolation des Laecherlichen von der ernsthaften Welt der Politik verhuellt, dass die Politik von ihrem innersten Kern her ins Stadium des Laecherlichen uebergegangen ist. Wie laecherlich wirken Haushaltsdebatten; wie sinnlos wirken Attentate auf Lafontaine, Schaeuble oder irgendwelche Landesminister im Gegensatz zu den klassischen politischen Attentaten, zumeist auf Repraesentanten sozialer Interessengruppen, von denen man noch glauben konnte, dass sie irgendwelche Effekte hervorgerufen haetten: beispielsweise auf den Erzherzog von Österreich, auf Rosa Luxemburg, Lincoln, Kennedy und andere; Attentate, die Wirkungen hatten oder, auch wenn sie nicht gelangen, vielleicht Wirkungen gehabt haetten, waeren sie gelungen. Aber vielleicht waren auch diese klassischen Attentate bereits so sinnlos wie die Ermordung Rabins, die nichts zu veraendern vermochte. Sie erzeugte nur eine leere Symbolfigur, mit geringerem Gehalt als King oder Ghandi zu ihrer Zeit. Die impliziten Prozesse hingegen werden von von kommerziellen, nicht aber von sozialen Momenten bestimmt. Diese Konsequenz wurde insbesondere bei einem neueren Attentat deutlich, dem kein Politiker, sondern ein Bankmanager zum Opfer fiel. Es galt dem derzeitigen Chef der Deutschen Bank, Herrhausen. Darum war es auch voellig unwichtig, ob das Geruecht stimmte, er sei von einem spaeten Kommando der RAF, oder ob die Hypothese stimmte, er sei wegen seinem Verhaeltnis zu innerdeutschen Waehrungsproblemen von einem Geheimdienst ermordet worden. Dass die Restposten der Politik von ihrem innersten Kern her sich selbst parodieren, tritt vor allem an den Stellen explizit zu Tage, an denen der Ernst der Sache scheinbar jede Art von Komik ausschliesst. Schon der Fuehrerkult des Faschismus hatte in Deutschland eine Fuehrerfigur hervorgebracht, die ein Charlie Chaplin mehr kopiert als persifliert hat. Das wiederum heisst auch, dass die Tragweite des Laecherlichen mitnichten harmlos ist. Kann es sein, dass eine solche Katastrophe der Ernsthaftigkeit, wie sie der Faschismus dargestellt hat, nur deshalb stattfinden konnte, weil sie sich mit allen Mitteln vor ihrer eigenen Laecherlichkeit schuetzen musste? Was fuer den Humor gilt, gilt auch fuer die Ironie: Sie koennte den Ernst ueberhaupt nicht gefaehrden, wenn nicht in einem logischen Implikationsverhaeltnis die Verschmolzenheit der Standpunkte ihrer Differenz vorausginge. Der Abstand, der die differenzierende Sachlichkeit von der Überdrehung trennt, ist sekundaer gegenueber einem fundamentalen Zustand der Konfusion, in dem Position und Opposition miteinander verschmolzen sind. Als Startegem der Konfusion kann die Ironie den Ernst nur deshalb in Wut und Wahnsinn treiben, weil sie diesen fundamentalen Zustand nur gleichsam anzuklicken braucht, um jede mit dem Anspruch der Serioesitaet auftretende Erscheinung in den Wind zu schiessen. Bestuende tatsaechlich eine tiefe Wesensdifferenz zwischen beiden Polen, so wuerde die Ironie den sachlichen Ernst nie erreichen, verunsichern und gefaehrden koennen. Was die historische Dimension gaengiger politischer Modelle anbelangt, so koennen Ironie und Humor (1.) nicht fuer politische Regressmodell in Anspruch genommen werden, das dem ernsthaften Glauben korrespondiert, die Abschaffung herrschender oekosozialer Verhaeltnisse wuerde vorhergehende (etwa "natuerliche") Verhaeltnisse wiederherstellen koennen. Weder fuer das (2.) progressiv-teleologische Utopiemodell, das dem Glauben entspricht, die Zukunft wuerde eine bessere Gesellschaft bringen, lassen sich Humor und Ironie in Anspruch nehmen, noch (3.) fuer das liberale Modell, die Politik der kleinen Schritte wuerde alles zum besten wenden. Als transgressive Grenzverschiebungen und Grenzuebertretungen koennen weder Humor noch Ironie zum Instrument der Tiefsinnigkeit regressiver oder progressiver Bewegung werden; sie artikulieren sich allein auf der Ebene der Oberflaechlichkeit, die die des Systems selbst ist. Daraus resultiert ihre Staerke, die sie indirekt dadurch zeigt, dass sie nicht wie jede ernsthafte Vermittlung dekonstruierbar ist. In der Goetzendaemmerung hatte Nietzsche selbst diese Staerke als implizite, reaktive Tendenz skizziert: Es sei gleichermassen sinnlos, gegen die Gegenwart eine bessere Vergangenheit oder eine bessere Zukunft zu beschwoeren. Einzig moegliche strategische Operationen seien vielmehr Steigerung und Hemmung der Gegenwart: "Schritt fuer Schritt weiter in der décadence (...). Man kann diese Entwicklung hemmen und durch Hemmung, die Entartung selber stauen, aufsammeln, vehementer und ploetzlicher machen: mehr kann man nicht." Entsprechend formulieren Deleuze/Guattari: "Man kann (...) in der Deterritorialisierung nie weit genug gehen (...): noch mehr Perversion, noch mehr Artefakt! Bis die Welt so kuenstlich werde, dass die Bewegung der Deterritorialisierung notwendig selbst eine neue Erde schaffen muss." Den mit der Deterritorialisierung - in unserem Kontext nur ein anderes Wort fuer Decodierung - verbundenen Optimismus mag man teilen oder nicht. Wir sehen nicht, wie diese progressive Heilsvorstellung zu bewerkstelligen sein sollte!? Die Pointe dieses operativen Komplexes der Decodierung sehen wir vielmehr in einer aktualisierten Fort- und Umschreibung wesentlicher Gedanken der Aufklaerung. 4. Subjekt und Strategie Ihre Skepsis gegenueber der Ironie begruendeten Deleuze/Parnet mit dem Argument, dass die subjektive Ironie dem spezifischen Sinn, den sie angreift, verhaftet bleibe, und insofern generell nur eine Funktion der sinnvollen und ernsthaften Rede sei. Aber die Ironie kann dem Sinn doch nur deshalb verhaftet bleiben, weil sich die Intention des Subjekts ihrer bedient, das sich wie ein neutraler Filter zwischen den eigentlichen Sinn und seine rhetorische Überdrehung schiebt. Diese neutrale Ebene sichert einerseits die Differenz zwischen intendiertem Sinn und ironischer Floskel, andererseits die Unangreifbarkeit und Konstanz des Subjekts selbst.Die deterritorialisierende Anarchie des Humors hingegen arbeitet Deleuze/Parnet zu Folge unabhaengig von jeder Art Sinn. Innerhalb der Terminologie Hegels kaeme diese Unabhaengigkeit dadurch zustande, dass der Humor die Diffusion der "Zwecke und Realisationen" der Subjektivitaet nicht rueckgaengig machen kann, sondern einzig explizit. Nach Hegel ist das Subjekt ja selbst in den Prozess der Diffusion einbezogen. So scheint ein Kriterium des Unterschieds zwischen Humor und Ironie darin zu liegen, dass die Ironie das Subjekt selbst intakt laesst, der Humor hingegen nicht. Nicht zuletzt dieser Sachverhalt stellt fuer Deleuze/Parnet Kriterien bereit, den Humor als Gegenfuehrung zur Ironie stark zu machen. Fuer Baudrillard indessen scheint die Differenzierung zwischen Humor und Ironie kein nennenswertes Thema abzugeben. Die unterschiedlichen Auffassungen ueber die Funktionsweise von Humor einerseits und Ironie andererseits, wie sie durch die genannten Autoren vertreten werden, kommen dadurch zustande, dass die ersteren ueber die subjektive Form des Humors handeln, also ueber das strategische Instrument, dessen sich ein Subjekt bedient. Baudrillards Konzept der ironischen Startegie beruht auf einer objektiven Form der Ironie, die in den Dingen selbst liege. Auf dieser Folie sind Humor und Ironie kompatible Groessen. Ihre wechselseitige Entsprechung garantiert der objektiven Ironie eine subjektive Dimension und dem subjektiven Humor eine objektive Dimension. Die Laecherlichkeit des Ernstes und die Schmierenkomoedie "Politik" stellt sich am Subjekt so dar, wie es die CHARTA-Poster praesentieren: Wenn also sich jemand mit Zahnpasta beschmiert auf einem Poster als "Wichser" bezeichnet, so ist dies mehr als eine Persiflage auf eine MTV-Kampagne: Die entsprechende Aussage "Ich bin ein Wichser" beschreibt kein empirisches Ich, sondern sagt - in der Tradition der Allegorie und des Engramms - vielmehr aus, dass ein jeder auf einem politischen Plakat Abgebildete ein Wichser ist. - "Ilsa", diese Konfusion aus Casablanca-Weiblichkeit und uniformiertem Aufseherinnenwesen, impliziert mehr als bloss, dass der Aufstieg gewisser Weiber ins Government weniger den Sieg der Frauen ueber das Patriarchat markiert als vielmehr den Sieg der Gouvernante ueber die Feministin. Es geht nicht nur um den bedeutungslosen Interessenwirrwarr der Geschlechter, sondern auch darum, dass sich mit der Funktionalisierung der Frauen selbst die ueberkommenste Institution ins naechste Jahrtausend schleppt. Nehmen wir den drolligsten aller Faelle an: Eine Frau wuerde Paepstin. Wuerde sich damit nicht der Effekt erzeugen, als sei die Geschichte der Institution in ihrer Zukunft rehabilitiert? Dergestalt bricht erst die Selbstironie als Einbindung des Subjekts in die ironische Bewegung faktisch mit der Ernsthaftigkeit der Subjektivitaet. Die "Selbstverspottung" laesst kein Aussen eines unbescholten kritisierenden Subjekts zu, dem man entgegenhalten koennte, es selbst entspreche dem, was es anderen vorwirft, oder das sich - gemaess der bloss rhetorischen Strategie - selbst aus dem Prozess herausnimmt. So ist das Staatsmanagement tatsaechlich insofern eine Wichserei als es selbstreferentiell nur auf sich selbst referiert und selbst dieses Aussen nicht mehr zu reklamieren imstande ist. 5. Ironie und Humor als Strategien der Explikation Zurueck zu der These, dass das Konzept der Decodierung wesentliche Aspekte der klassischen Aufklaerung umschreibe bzw. weiterentwickle. Wenn Deleuze/Parnet ihre Ausfuehrungen ueber den Humor mit dem Wort pointieren, dieser sei "verraeterisch" , so deuten sie diese Weiterentwicklung an. Im Verraeterischen liegt der Effekt einer Explikation der Modalitaet der Oberflaechlichkeit, also einer Ausfaltung der hinter der Sachlichkeit verborgenen Konfusionen und Diffusionen. Es geht dem Humor nicht um die Kodierung oder Dekodierung eines jenseits der Oberflaechen liegenden, tieferen Gehalts, sondern um eine Darstellung der Systems der Oberflaechen (des Oberflaechlichen) selbst. Man darf sich nicht taeuschen: Die Explikation ist keine hermeneutische Operation; es geht nicht darum, den tieferen Sinn der Dinge zu extrapolieren. Diese Vorgehensweise laeuft immer Gefahr, naiv nur dasjenige zu finden, das man von aussen in die Dinge hineingelegt hat. So ist die Explikation nicht mit politischer Aufklaerung i.e.S. zu verwechseln, mit einem Vorgang, der immer die psychologische Dialektik von Wissenden und Unwissenden voraussetzt, inklusive des idealtypischen Predigtwesens des Wissenden und der Unterwerfung des Unwissenden. Dem Vorgang des Explizierens entsprechen mehr Parameter der detektivischen Techniken, dem Aufdecken von Elementen und Strukturen und der Rekonstruktion von Aufloesungs- und Verschmelzungsprozessen (Diffusion und Konfusion). Tatsaechlich besitzt, wie Lacan gezeigt hat, Poes Figur Dupin den Humor, der noetig ist, die Dinge zu sehen, wie sie sind, waehrendhingegen die Polizei ihre Aufgabe um so mehr verfehlt, je akribischer der Ernst wird, mit dem sie bei der Sache ist. |
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