Weiße Taube Luzifer

Weiße Taube Luzifer
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Satan gelangt auf seiner Reise an die Pforten der Hölle, die er verschlossen findet. Wen er dort als Wächter antrifft, von dem wird ihm das Tor geöffnet. Und dieser wird Kunde geben von dem großen Abgrund zwischen Himmel und Hölle. Geleitet vom Chaos, dem Gebieter jenes Raumes, kommt er in die neue, von ihm gesuchte Welt.
John Milton, Paradise Lost
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Weiße Taube Luzifer

Präambel

Was war vor der Schöpfung?
Es gab einen Raum voller Wesen. Und alle waren Gleiche unter Gleichen. Die Welt schien demokratisch. Dennoch setzte eine Rebellion ein, da sich ein Mitglied aus der Gemeinde anmaßte, Herr über die Anderen zu sein.

Luzifer: Wer kannte bis dahin die Schreckenswaffe Macht?

Es bildeten sich zwei Lager; der Himmel war von nun an geteilt - in Gut (pro Gott) und Böse (pro Satan). Luzifer unterlag im Streit und wurde ins Chaos gestürzt.

Inszenierung

Luzifer

Er ist das Symbol des ewig dynamischen Prinzips in der Natur und steht als Akteur stellvertretend für Giordano Bruno, Galilei und Henry Poincaré. Von der Heiligkeit und damit von der Öffentlichkeit gebrandmarkt, vegetiert er abgeschottet von jeglicher Zivilisation im geheimen Verlies. In seinen Reaktionen pendelt er zwischen Gereiztheit und Melancholie. Als Workaholic bastelt er unermüdlich an neuen Welt-Modellen, die jedoch erst mit Hilfe seiner Tochter Lilith ihre Vollendung finden.

Lilith

In der sumerisch-altbabylonische Mythologie als Göttin des Windes in großer Höhe verehrt, aber wegen ihrer Boshaftigkeit aus dem Garten Eden vertrieben, steht sie ebenso wie Luzifer im Bann reglementierender Mächte. Auf Grund ihrer Weigerungen zu dienen und dass sie beim Akt unten zu liegen habe (AT), mutierte man sie zu einem Mischwesen, das am Höllenschlund zu leben hat. Und an diesem Ort des Fluchs gebärt sie stündlich unter namenlosem Schmerz heulende Brut. Von Angst und Qual verzerrt, hat sie dennoch ihren Stolz bewahrt. Durch ihn erkennt Lilith die Synchronität zum Charakter ihres Vaters und öffnet für Luzifer die schweren eisernen Tore.

Im 1. Part beklagt Lilith den Höllenschlund, in den sie der Herr getrieben hat:

Ist dies das Land, dieses traurige trübe Dunkel
Das wir für das Ätherlicht getauscht

Stumm und träge wälzt, wo alles Leben stirbt
Die Quelle des Vergessens

Bös erschaffen und nur zum Bösen gut

Was frage ich, da ER zum Herrscher sich erhob

Und aus Himmel Hölle und aus Hölle Himmel machte

Besser hier, als in seiner Nähe und sich fügen

Im 2. Part beklagt Lilith ihren seelischen Zustand, beschreibt die sexuelle Nötigung. Sie ruft ihren Vater, doch er hört sie (noch) nicht:

Von ihm begattet, schwoll ungeliebt mein Leib
Bis sich die Frucht durch meine Eingeweide riss

Und in grässlicher Umarmung
Erzeugt mein selbst geborener Feind
Vielfache Brut in mir

Wenn's ihr gelüstet
Kriecht die Meute in meinen Schoß zurück
Und nagt und frisst an meinen Eingeweiden

Vater (!)

Im 3. Part gewinnt Lilith ihren Vater, indem sie ihn an die Wurzeln ihrer gemeinsamen Herkunft erinnert. Luzifer steigt anschließend aus der Unterwelt:

Zeige mir den Ort, wo sich Höhe, Zeit und Raum
Im uferlosen Meer ergießen

In einer Neuen Welt voll Licht und Lust
Werde ich an deiner Seite sein

Mein Vater
Wir sind die Urahnen der Natur (!)

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